Casas, Cohibas, Coladas und Chicas/os

(Freitag) Was einem auf der Straße nicht alles angeboten wird.
Taxis und Bicitaxis bzw. deren Fahrer stehen an jeder Ecke und versuchen die Vorbeikommenden für eine Fahrt zu gewinnen.
Tatsächlich sind Gilles und ich spätnachmittags – nachdem wir zufällig wieder Emma und Kurt getroffen und mit ihnen gemeinsam Kaffee getrunken haben – in ein Bicitaxi geklettert, dessen zwei Fahrer (einer radelte immer nebenher und half bei schwierigen Bergaufpassagen) uns eine Spezialtour abseits der ausgetretenen Touristenpfade schmackhaft gemacht haben:
Zunächst geht es an der Hafenstraße vorbei an einer Tabakfabrik, der ehemaligen Bacardi-Rumdestillerie und einer Bierbrauerei,  bis wir am Friedhof Santa Ilfigenia ankommen und dort zwischen den Gräbern betuchter Familien auf marmornen Steinböden wandeln. Zum Jose Marti-Mausoleum kommen wir rechtzeitig zur Wachablöse.
Man strampelt uns weiter in die Outskirts von Santiago, durch ein Wohn- als auch Industriegebiet, in dem es ein in einem alten Cubana-Flugzeug untergebrachtes Restaurant, die „Pastas y Caramelos“-Fabrik [Check!], einen speziellen Bananenmarkt (orangene (!) Bananen) und etliche Fleischverkaufsstände gibt: Dort hängen dann ganze oder halbe Schweine von den Bäumen, die neben den zahlreichen Kunden auch Hunderte Fleischfliegen (heißen die deswegen so?) anlocken. G’schmackig.
Einer unserer beiden Fahrer kauft dort übrigens sein Abendessen (Leber), und ich überlege mir ernsthaft mein heutiges Mahl zu streichen. In einem gebrauchten Plastiksackerl transportiert er sie direkt vor mir auf seinem Lenker baumelnd.
Die zwei Kollegen rackern sich ziemlich mit uns ab, und als isotonisches Getränk der Wahl füllen sie ihre Plastikflaschen in jeder Pause mit Bier.
Wir nähern uns dem Ende der Tour. Klarerweise kennen die beiden auch ein spitzen Restaurant, das wir gleich im Anschluss daran aufsuchen können, nein… sollen.
Was einem nicht alles angeboten wird. Ein Lokal hier, eine Casa particular da, beste Cohiba-Zigarren dort und als Dessert vielleicht noch einen chico für mich. Alles Gustostückchen natürlich.
Was für ein Tag, oder Der Tag, an dem mir mein Appetit abhanden gekommen ist.

 

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